Gift

Eine Ehegeschichte. Von Lot Vekemans
Deutsch von Eva Pieper und Alexandra Schmiedebach
 
SIE Du bist früh
Ich hab dein Auto gesehen und dachte: 
er ist früh
ER Es ging schneller als ich dachte
SIE So ein Sauwetter.
ER Ja.
SIE Ist bei euch auch so ein Sauwetter
ER Bei uns?
SIE In der Normandie meine ich
ER Ah ja, ja meine ich, ja
(Sie schauen sich an.)
ER Du hast dich nicht verändert
SIE Na, dann komm mir besser nicht näher
 
Nach zehn Jahren der Trennung trifft sich ein ehemaliges Ehepaar, zwei Menschen in den besten Jahren, auf einem Friedhof wieder. Die beiden haben einst ihr gemeinsames Kind verloren, überfahren vor den Augen der Mutter. Sie gehen unterschiedlich mit dem Verlust um. Er ist nach Frankreich gezogen und hat versucht, ein neues Leben zu beginnen. Mit einer neuen Frau wird er bald ein neues Kind haben. Sie hingegen ist zurück geblieben im von Erinnerung getränkten gemeinsamen Haus, ist einsam und kann den Gedanken an Veränderung nicht ertragen.
 
Der Grund ihres Treffens ist ein Brief der Friedhofsverwaltung, in dem die Umbettung ihres Kindes angekündigt wird, nachdem man auf dem Gelände Gift im Boden gefunden hat. Seltsam nur, dass sich niemand von der Friedhofsverwaltung blicken lässt. Das Elternpaar begegnet sich unsicher nach der langen Zeit, zwischen Abrechnung und Annäherung, Trost und Trauer. Zärtlichkeit und Härte dominieren die Szenen dieses Wiedersehens: es ist das Porträt eines Paares, dessen Schicksal schon vorbei zu sein scheint – und das dennoch noch einmal durch alles hindurchgehen muss, in der Hoffnung, endlich in einem Leben nach ihrem gemeinsamen Leben anzukommen. Oder gibt es sogar noch Hoffnung für das ehemalige Paar?
 
«Gift» erzählt von zwei Menschen auf der Suche nach der Möglichkeit, die Vergangenheit zu akzeptieren, in gemeinsamer Erinnerung Ruhe zu finden und Vertrautes wieder zuzulassen. Dabei lässt Vekemans mit ihrer psychologisch genau beobachteten Sprache bei aller Tragik durchaus auch komische Momente aufblitzen.
 
«Mit ihrem wunderbaren Dialog über zwei Men­schen, die erst ein Kind verloren haben, dann sich selbst und dann einander, trifft Vekemans direkt ins Herz», hiess es in der Jurybegründung für einen der wichtigsten niederländischen Theaterpreise, den die Autorin 2010 für «Gift» erhielt. 
 
Lot Vekemans, Jahrgang 1965, studierte Geographie, später an der Schriftsteller-Akademie Colofon in Amsterdam. Seit 1995 schreibt 
sie Theaterstücke. Sie sind in mehr als fünfzehn Sprachen übersetzt und wurden vielfach preisgekrönt. Ihr Stück «Gift» feiert derzeit in Deutschland Triumphe. «Ein Brautkleid aus Warschau» ist ihr Romandebüt und erschien 2016 im Wallstein-Verlag.
 
Felix Prader, geboren 1952 in Zürich, begann als Regieassistent bei Horst Zankl am Theater am Neumarkt, war dann Assistent von Peter Stein, Klaus Michael Grüber und Robert Wilson an der Berliner Schaubühne, wo er mehrere Male inszeniert hat, u.a. Robert Walsers «Familienszenen» und 1995 die deutschsprachige Erstaufführung von Yasmina Rezas «Kunst», die immer noch zu sehen ist. Darüber hinaus hat er u.a. in Genf, Basel, Bern, Zürich, Düsseldorf, Bochum, Köln, Mainz, in den USA, in Frankreich und in Spanien als freier Regisseur gearbeitet. Seine Schaubühnen-Inszenierung von Javier Tomeos «Mütter und Söhne» wurde 1991 zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Am Theater Kanton Zürich hat er «Die Grönholm-Methode», «Das Ende vom Anfang», «Der Gott des Gemetzels», «Volpone», «Dinner für Spinner» und «Der Revisor» inszeniert. 
 
Regie: Felix Prader
Bühne und Kostüme: Anja Furthmann
Premiere: 16. November 2017
Spieldauer: ca. 70 Minuten. Keine Pause.

 

«Das Schauspielertheater fesselt das Publikum – wenn es gut gemacht ist. Das Theater Kanton Zürich führt das glänzend vor in seiner neuesten Produktion, Gift. Eine Ehegeschichte». NZZ

«Es spielen die immer exzellente Katharina von Bock und der Männerdarsteller par excellence Pit Arne Pietz. Regie führt Felix Prader, auch er ein Spezialists für Szenen einer Ehe (Der Gott des Gemetzels) - und für viel mehr». Der Landbote

«Ein Wechselbad der Emotionen. Die beiden Darsteller bringen dies äusserst präzise auf die Bühne - das Publikum wird hineingezogen in die erschütternde Aufarbeitung.» Zürcher Oberländer

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