Tschick

von Wolfgang Herrndorf | Bühnenfassung von Robert Koall
TSCHICK Und was machst du jetzt?
MAIK Nach Hause.
TSCHICK Und danach?
MAIK Nichts.
TSCHICK Und dann?
MAIK Geht dich einen Scheiss an.
TSCHICK Das versteh ich nicht. Du hast Ferien, Mann, du fährst wahrscheinlich in Urlaub, du kannst 
auf diese Party, und du hast ein herrliches –
MAIK Auf welche Party?
TSCHICK Gehst du nicht zu Tatjana?
MAIK Nee, kein Bock.
TSCHICK Im Ernst?
MAIK Ich hab schon was anderes vor. Ausserdem bin ich nicht eingeladen.
TSCHICK Du bist nicht eingeladen? 
Ist ja krass. Ich dachte, 
ich bin der Einzige.
 
Maik ist 14 Jahre alt, sein Vater hat Geld und eine Geliebte und seine Mutter ist auf einer «Beautyfarm» – das heisst, sie macht mal wieder einen Alkoholentzug. Endlos und elternfrei liegen die Sommerferien vor Maik, als Tschick auftaucht. Der Asoziale aus seiner Klasse, der Ausländer, der im Klassenzimmer schon mal betrunken vom Stuhl gefallen ist, der Proll aus der Hochhaussiedlung. Aber Tschick hat einen geklauten Lada dabei, und plötzlich riecht alles nach Freiheit und Abenteuer. Die beiden ungleichen Jungen fahren drauf los und erleben zwischen sternenklaren Nächten, Tankstellen und Müllkippen den Sommer ihres Lebens.
 
«Tschick» ist die Geschichte eines kuriosen Road-Movies zweier Jungs durch ein fremdes, vertrautes Land; von seltsamen, trostvollen Begegnungen und vom Schmerz des Erwachsenwerdens. Sie ist so unvergesslich wie die Flussfahrt von Tom Sawyer und Huckleberry Finn. Wolfgang Herrndorf erzählt das, woran wir uns alle erinnern: an den Sommer des Erwachens, den einen, unvergesslichen Sommer, in dem man erwachsen wurde. Für «Tschick» erhielt er 2011 den deutschen Jugendbuchpreis; der Roman verkaufte sich über zwei Millionen Mal und wurde bislang in 26 Sprachen übersetzt. Die Theaterfassung von Robert Koall ist gegenwärtig das meistgespielte Stück im deutschsprachigen Theater. Der deutsch-türkische Regisseur Fatih Akin hat «Tschick» 2016 erfolgreich verfilmt.
 
«Auch in fünfzig Jahren wird dies noch ein Roman sein, den wir lesen wollen. Aber besser, man fängt gleich damit an.» 
Frankfurter Allgemeine Zeitung
 
Wolfgang Herrndorf, 1965 in Hamburg geboren und 2013 in Berlin gestorben, hat ursprünglich Malerei studiert. Nach dem Studium der Malerei hat er unter anderem für die Satirezeitschrift «Titanic» als Illustrator gearbeitet. 2002 erschien sein Debütroman «In Plüschgewittern», 2007 «Diesseits des Van-Allen-Gürtels», 2010 und 2011 folgten die Romane «Tschick» und «Sand», 2013 das posthum herausgegebene Tagebuch «Arbeit und Struktur» und 2014 der Fragment gebliebene Roman «Bilder deiner grossen Liebe». An diesem Buch, dessen Heldin Isa ihren ersten grossen Auftritt in «Tschick» hat, arbeitete Herrndorf noch in den letzten Lebenswochen, er hat ihn selbst zur Veröffentlichung bestimmt.
 
Johanna Böckli, 1981 in Zürich geboren, absolvierte die kaufmännische Lehre beim Filmverleihunternehmen Frenetic Films. Der Einstieg in die Theaterwelt kam 2010 mit ihrer ersten Regieassistenz beim Mydriasis-Projekt «36 Stunden» in der Regie von Magdalena Nadolska. Es folgten weitere Inszenierungen mit Nadolska, der Kabarettistin Regula Esposito sowie diversen Regisseuren aus der freien Szene. Die Hospitanz bei der Produktion «Frohe Feste» (Regie: Rüdiger Burbach) führte zu einer regelmässigen Zusam­menarbeit mit dem Theater Kanton Zürich. Von 2013 bis 2017 war sie fest als Regieassistentin angestellt. Ihr Regiedebüt gab sie 2015 mit Pedro Lenz‘ «Der Goalie bin ig».
 
Regie: Johanna Böckli
Bühne: Beni Küng
Kostüme: Carla Caminati
Premiere: 25. Oktober 2017 
 
Koproduktion mit: Theater Winterthur
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