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Die schwarze Spinne

Freilichttheater nach Jeremias Gotthelf

Dramatisiert von Dagrun Hintze

Grüner: Solch Tyrannei verlangt nach Rache. Ich werde euch helfen.
Hans: Im Ernst?
Grüner: Mein Gespann ist wie kein anderes im Land und wird euch alle Buchen vom Kilchstaden weg auf Bärhegen führen. Euch zuliebe, den Rittern zum Trotz und um geringen Lohn.
Hornbachbauer: So wären wir gerettet. Bis an den Kilchstaden können wir selbst die Buchen führen, ohne dass wir die Landarbeitdarüber versäumten und zugrunde gehen müssten.
Alter Bauer: Sag' an, was du dafür verlangst.
Grüner: Wie ich gesagt – ich begehre nicht viel. Nicht mehr als einungetauftes Kind.

Vor vielen hundert Jahren lebt im Emmental der wüste Ritter Hans von Stoffeln. Der behandelt seine Bauern schlecht und zwingt sie nicht nur, ein Schloss für ihn zu bauen, sondern ihm danach auch noch innerhalb eines Monats einen Schattengang mit hundert ausgewachsenen Buchen zu pflanzen: Ein schier unmögliches Unterfangen. Gerade als die Bauern verzweifeln, erscheint ein «Grüner», ein Jägersmann, der ihnen einen unheimlichen Handel vorschlägt: Er schaffe die Buchen, wie gefordert, in Monatsfrist hoch zum Schloss. Als Lohn dafür wolle er nichts weiter als ein ungetauftes Kind. Im allgemeinen Grauen vor diesem gottlosen Angebot findet sich nur eine, die nicht erschrickt. Die mutige Christine lässt sich auf den Pakt mit dem Teufel – denn niemand anderes verbirgt sich im grünen Jägerkostüm – ein. Ein Kuss des «Grünen» auf ihre Wange besiegelt das Bündnis. Christine hofft, den Teufel überlisten zu können, wenn nur die Buchen erst einmal gepflanzt sind. Zunächst scheint alles glatt zu gehen. Die Buchen sind rechtzeitig zur Stelle. Und als das erste Kind geboren wird, ist der Pfarrer bei der Geburt zugegen und tauft es, so dass der Teufel keinen Zugriff hat. Doch da beginnt Christines Wange zu schmerzen und grässlich anzuschwellen. Da wächst ihr im Gesicht eine übergrosse Spinne heran, die sie schliesslich unter Schmerzen gebiert. Tod und Schrecken bringt die Spinne, wer sie berührt, stirbt. Stets erscheint sie, wo man sie am wenigsten vermutet. Niemand scheint ihr etwas anhaben zu können. Die Dorfbewohner sind in höchster Not, bis sich eine tapfere junge Mutter auf eine List besinnt...

Jeremias Gotthelf berühmte Novelle hat schon zahlreichen Theater- und Filmadaptionen Pate gestanden. Es ist eine atemberaubende, märchenhafte und spannende Geschichte voll eindrücklicher Sprachgewalt. Im traditionellen Freilichttheater wollen wir unser Publikum in die schaurig-schöne Emmentaler Welt des Jeremias Gotthelf entführen.

Jeremias Gotthelf eigentlich: Albert Bitzius, geboren 1797 in Murten, gestorben 1854 in Lützelflüh, stammte aus einer alten Berner Beamtenund Pfarrersfamilie. Nach einer theologischen Ausbildung wurde er 1824 als Vikar an die «Kirche zum Heiligen Geist» in Bern berufen, 1831 auf die gleiche Stelle in Lützelflüh im Emmental, wo er ab 1832 als Pfarrer wirkte. In die Zeit nach 1834 fallen seine schriftstellerisch-publizistischen Anfänge. Nach der Amtsenthebung als Schulkommissär1845 infolge seiner Kritik am bernischen Erziehungsdepartement wurde Gotthelf zu einem immer unbequemeren Zeitgenossen; in seinen späteren Werken ist ein satirischer oder düsterer Grundton unüberhörbar. Werke (u.a.): «Ueli, der Knecht» (1841), «Die schwarze Spinne» (1842), «Elsi, die seltsame Magd» (1843), «Geld und Geist» (1844), «Ueli, der Pächter» (1849), «Die Käserei in der Vehfreude» (1850).

Dagrun Hintze (*1971 in Lübeck) studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft in Würzburg und Antwerpen. Danach war sie als Regieassistentin und Regisseurin am Theater Lübeck und am Staatstheater Kassel engagiert. Seit 1999 lebt sie als freie Autorin in Hamburg. Sie veröffentlichte Lyrik und Prosa in Zeitschriften, Anthologien und Künstlerbüchern und wurde für ihre Arbeit mehrfach ausgezeichnet: u.a. Lyrik 2000s-Preis (2003) / open mike, Berlin (2005) / Einladung zu den Tagen der Deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt (2008) / Stipendium für einen Arbeitsaufenthalt in der Casa Zia Lina auf Elba (2012) / Stipendium im Künstlerhaus Lauenburg (2015). Dagrun Hintzes erstes Theaterstück «Intensivstation» wurde 2009 am Theater Ulm uraufgeführt, 2011 folgte «Die Zärtlichkeit der Russen» am Staatsschauspiel Dresden. Gemeinsam mit Elisabeth Burchhardt schrieb sie die Komödie «Damen mit Lift», die 2013 am Ernst Deutsch Theater in Hamburg Premiere hatte. 2015 kam ihr Recherche-Stück «Mischpoke – Eine jüdische Chronik von damals bis heute» am Staatsschauspiel Dresden heraus, im Oktober 2016 erfolgt die Uraufführung von «Samstag in Europa» (gemeinsam mit Sedef Ecer) am Theater der Stadt Aalen. Dagrun Hintze publiziert regelmäßig über zeitgenössische Kunst und Dokumentartheater (u.a. SZ, NZZ, Deutsche Bank Art, Kunst im Deutschen Bundestag, QVEST, oT).

Der Schweizer Elias Perrig, geboren 1965 in Hamburg, studierte zunächst Molekularbiologie in Basel, bevor er 1989 als Regieassistent am Theater am Neumarkt, Zürich, seine Theaterlaufbahn begann. 1991 wechselte er als Regisseur an die Bühnen Lübeck und 1993 ans Staatstheater Kassel. Seit 1995 war er als freier Regisseur tätig und inszenierte unter anderem am Theater Lübeck, Staatstheater Kassel, Theater Neumarkt Zürich, Staatstheater Hannover, Teatr RusskojDrami, Kiew, Schauspielhaus Zürich und am Grillo Theater Essen. Von 1999 bis 2005 war er Hausregisseur am Schauspiel Stuttgart, von 2006 bis 2012 Schauspieldirektor am Theater Basel. Seit 2012 ist er wieder freier Regisseur und inszeniert u.a. am Theater der Stadt Heidelberg, dem Hans Otto Theater Potsdam, am Volkstheater Wien, den Wuppertaler Bühnen und dem Staatsschauspiel Dresden.

Mit:

Katharina von BockMichael von BurgSilke Geertz, Nikolaij Janocha, Stefan LahrAndreas Storm, Carolin Schär, Nils Torpus

Regie

Elias Perrig

Bühne

Beate Fassnacht

Kostüme

Inge Medert

Musik

Biber Gullatz

Premiere

17.05.2017

Spieldauer

ca. 1 3/4 Stunden inkl. einer Pause.

Trailer zum Stück

Pressezitate

«In Elias Perrigs feinziselierter und musikalischer Regie und mit Hintzes bis auf den Kern ausgelösten Vorlage wurde an der Uraufführung in Zollikon aus dem Berner Pfarrer ein hipper Gegenwartsautor. Das kleine, grossartig aufgelegte Team spielte sich frei in einem Well-made-Play.» Neue Zürcher Zeitung

«Effektvoller kann Theater nicht sein.» Zürichsee-Zeitung

«Immer wieder hervorragend: das Ensemble des Theater Kanton Zürich.» Tages-Anzeiger

Impressionen

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