Der Besuch der alten Dame

von Friedrich Dürrenmatt
CLAIRE Eine Milliarde für Güllen, wenn jemand Alfred Ill tötet. (Totenstille.) 
ILL Zauberhexchen! Das kannst du doch nicht fordern! (Der Bürgermeister steht auf, bleich, würdig.)
BÜRGERMEISTER Frau Zachanassian: Noch sind wir in Europa, noch sind wir keine Heiden. Ich lehne im Namen der Stadt Güllen das Angebot ab. Im Namen der Menschlichkeit. Lieber bleiben wir arm denn blutbefleckt. (Riesiger Beifall.)
Güllen, eine verarmte «Kleinstadt in der Gegenwart» am Rande der globalisierten Welt, wird von der Vergangenheit heimgesucht: Claire Zachanassian, einst in Güllen aufgewachsen und in ihrer Jugend unrechtmässig als Hure von dort verstossen, ist durch kluge Heirat mit einem Ölmagnaten zu unermesslichem Reichtum gekommen. In den letzten Jahren liess sie nach und nach die Vermögenswerte ihres Städtchens aufkaufen und trieb die Güllener damit in den finanziellen Ruin. Nun kehrt die angesehene Dame zurück, um ein Angebot zu machen: Eine Milliarde für den Tod des Krämers Alfred Ill. Sie fordert Rache, denn ihre Jugendliebe liess sie sitzen, als sie schwanger war. Die Güllener sind zunächst empört über dieses unfassbar unmoralische Angebot, doch die Aussicht auf Wohlstand und die Gier nach der dringend benötigten Finanzspritze bringen sie zum Schwanken. Bald schon gibt die Gemeinde der Versuchung nach: Die mögliche Hinrichtung Ills wird heruntergespielt, offen wird über dessen Schuld debattiert. Sogar seine Familie wendet sich ab und heuchelt ihm gegenüber nur noch vordergründig Solidarität. Ill resigniert. Als ein Fluchtversuch scheitert, stellt er sich den Güllenern – und damit der Abstimmung über seinen Tod. 
 
Friedrich Dürrenmatt schrieb «Der Besuch der alten Dame» 1955. Die erfolgreiche Zürcher Ur­aufführung ein Jahr später machte ihn weltbekannt. Seitdem ist das Stück von den Bühnen nicht mehr wegzudenken und hat bis heute nichts an Brisanz und Aktualität verloren.
 
Friedrich Dürrenmatt wurde 1921 in Konolfingen geboren. Er studierte Philosophie in Bern und Zürich und lebte als Dramatiker, Erzähler, Essayist, Zeichner und Maler in Neuchâtel. Bekannt wurde er mit seinen Kriminalromanen und Erzählungen «Der Richter und sein Henker» (kam 2010 in einer Dramatisierung von Deborah Epstein am Theater Kanton Zürich zur Uraufführung), «Der Verdacht», «Die Panne» und «Das Versprechen», weltberühmt mit den Stücken «Der Besuch der alten Dame» und «Die Physiker». Friedrich Dürrenmatt starb 1990 in Neuchâtel. 
 
Der Schweizer Elias Perrig, geboren 1965 in Hamburg, studierte zunächst Molekularbiologie in Basel. Er begann seine Laufbahn als Regisseur an den Bühnen Lübeck und beim Staatstheater Kassel. Seit 1995 ist er als freier Regisseur tätig und inszenierte u. a. am Theater Lübeck, Staatstheater Kassel, Theater Neumarkt Zürich, Staatstheater Hannover, Teatr Russkoj Drami, Kiew, Schauspielhaus Zürich und am Grillo Theater Essen. Von 1999 bis 2005 war er Hausregisseur am Schauspiel Stuttgart. Von 2006 bis 2012 war er Schauspiel­direktor am Theater Basel. Seit 2012 inszeniert er u. a. am Theater der Stadt Heidelberg, dem Hans Otto Theater Potsdam, am Volkstheater Wien, den Wuppertaler Bühnen und dem Staatsschauspiel Dresden, dem Inside Out Theater Peking und dem Vertebra Theater Shanghai. Am Theater Kanton Zürich hat er «Die schwarze Spinne», «Ein Sommernachtstraum» und «Kleider machen Leute» inszeniert.
 
Regie: Elias Perrig 
Bühne: Beate Fassnacht 
Kostüme: Charlotte Sonja Willi 
Musik: Biber Gullatz
Es spielen: Katharina von Bock (Claire Zachanassian), Julian M. Boine (Polizist), Michael von Burg (Ehemänner 7-9, Journalist, Richter) Daniel Hajdu (Bürgermeister), Manuel Herwig (Lehrer) Stefan Lahr (Pfarrer), Pit Arne Pietz (Alfred Ill), Miriam Wagner (Mathilde Ill)
Premiere: 23. Oktober 2019
Dauer: ca. 2 Stunden 10 Minuten. Eine Pause. 
 
Koproduktion mit
 
 

 

«Jetzt hat Regisseur Elias Perrig in seiner Inszenierung für das Theater Kanton Zürich, die am Mittwoch im Theater Winterthur Premiere hatte, dem Stück ein anderes Gesicht gegeben.» Tages-Anzeiger

«Perrigs alte Dame ist ein Dämon. Ein Racheengel. Ein Monster. Und dazu ein sehr ordinäres Partygirl. Milliardenschwer zwar, aber manchmal billig, Kardashian-Style eben. Das alles ist Katharina von Bock, sie ist das Gesicht dieser Aufführung - und viel mehr: Sie spielt alle Facetten dieser eigentlich unfassbaren Figur. Und wie sie das macht!» Tages-Anzeiger

«Erschütternd...Sensationelle Aufführung eines noch immer grossartigen Dramas zu einem leider nur allzu aktuellen Stoff!» Sandro Piraccini, Userkommentar auf Tagi-Online

Nächste Aufführungen von «Der Besuch der alten Dame»

Dienstag | 26. November 2019 | 20:00

Zürich | Theater Rigiblick
Tel. 044 361 83 38 |
tickets@theater-rigiblick.ch

In den Kalender eintragen


Mittwoch | 27. November 2019 | 20:00

Zürich | Theater Rigiblick
Tel. 044 361 83 38 |
tickets@theater-rigiblick.ch

In den Kalender eintragen


Dienstag | 14. Januar 2020 | 20:00

Aarau | Kultur & Kongresshaus
Vorverkauf: aarau info | Tel. 062 834 10 34 |
Vorverkauf: https://bit.ly/31JnkGf

In den Kalender eintragen


Mittwoch | 15. Januar 2020 | 20:00

Schlieren | Salmensaal
Vorverkauf: https://bit.ly/2M8E05w

In den Kalender eintragen


Samstag | 18. Januar 2020 | 19:30

Winterthur | Theater Winterthur
Theater.kasse@win.ch Vorverkauf: https://bit.ly/2m7IxuO

In den Kalender eintragen


Sonntag | 19. Januar 2020 | 14:30

Winterthur | Theater Winterthur
Theater.kasse@win.ch Vorverkauf: https://bit.ly/2lFb7U0

In den Kalender eintragen


Der Besuch der alten Dame abonnieren