Die Wahrheit

Komödie in 7 Szenen von Florian Zeller | Regie: Rüdiger Burbach

Deutsch von Annette und Paul Bäcker
Michel und Alice. Sie haben gerade miteinander geschlafen. Er beginnt, nach seinen Sachen zu suchen, man versteht, dass er gehen will.
Alice: Ich liebe es, mit dir Liebe zu machen.
Michel (in Gedanken woanders): Ah ja?
Alice: Ja. Ich liebe es. Aber weisst du, was ich am meisten liebe?
Michel: Hä?
Alice: Weisst du, was ich am meisten liebe?
Michel: Nein. Hast du nicht meine Socken gesehen? Die sind verschwunden …

Zwei Paare in den besten Jahren: Michel und Laurence, Paul und Alice. Michel und Paul sind eigentlich beste Freunde. Nur: Michel hat seit sechs Monaten eine Affäre, ausgerechnet mit Pauls Frau Alice. «Wenn die Leute von heute auf morgen aufhören würden, sich zu belügen, gäbe es kein einziges Paar mehr auf Erden. Und in gewisser Hinsicht wäre das das Ende der Zivilisation.» Mit diesem Argument will Michel Alice davon abhalten, ihrem Mann die Wahrheit über ihre Romanze zu sagen. Es belaste sie, ihren Paul ständig zu belügen, sagt sie. Aber die Wahrheit würde ihn zerstören, ist Michel überzeugt. Seiner Frau Laurence jedenfalls würde er nie erzählen, dass er sich seit einem halben Jahr mit Alice in Hotelzimmern trifft, wenn er behauptet, auf Sitzungen oder Dienstreisen zu sein. Michel verfolgt die Philosophie, dass es rücksichtsvoller gegenüber dem Partner ist, ihm nicht die Wahrheit zu sagen. Klar wird es hin und wieder anstrengend, sich im eigenen Lügengespinst nicht zu verirren. Zudem kann er sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Laurence und Paul vielleicht doch etwas ahnen, und schlimmer: irgendwann dämmert ihm, dass er nicht der einzige ist, der es in Sachen Beziehung mit der Wahrheit nicht so genau nimmt …
Florian Zeller ist mit «Die Wahrheit» eine charmante, hinreissend raffinierte Komödie geglückt, gespickt mit temporeichen Dialogen. Ein Spiel von Lüge und Wahrheit um Doppelmoral, Schein und Täuschung. Nichts ist, wie es scheint. Immer wenn man glaubt, die Wahrheit zu kennen, wird sie unvermittelt auf den Kopf gestellt, so dass man sich bis zum überraschenden Schluss fragt, was denn nun wirklich stimmt und was gelogen ist. Die Geschichte ist so gut, wie das Ding mit der Wahrheit kompliziert ist.

Florian Zeller, geboren 1979 in Paris, ist ein französischer Romancier und Dramatiker. Seine Werke wurden in ein Dutzend Sprachen übersetzt. Er gewann 2004 den Prix Interallié für seinen Roman «La Fascination du Pire». Zeller studierte am Sciences Po Paris und ist dort Professor für Literatur. Er schrieb seinen ersten Roman «Neiges artificielles» im Jahr 2002. Seine Theaterstücke wurde allesamt in Paris uraufgeführt: «Die Wahrheit», Théâtre Montparnasse (2011); «Vater», Théâtre Hébertot (2012); «Eine Stunde Ruhe», Théâtre Antoine (2013). Florian Zeller, «ein überragendes Dramatiker-Talent» (Nachtkritik), gehört inzwischen zu den erfolgreichsten Autoren seines Landes. Zur Zeit arbeitet er an einem Nachfolgestück für «Die Wahrheit» mit dem Titel «Die Lüge».

Rüdiger Burbach, geboren 1966, lebt seit 1993 in Zürich. Theaterstationen: (u.a.) Theater Basel, Baracke des Deutschen Theaters Berlin, Schiller-Theater Berlin, Schauspiel Bonn, Schauspiel Essen, Schauspiel Frankfurt, Ernst Deutsch Theater Hamburg, Luzerner Theater, Staatstheater Mainz, Staatstheater Stuttgart, Staatstheater Wiesbaden, Schauspielhaus Zürich. Von 2010 bis 2014 war er der Künstlerische Leiter des Theater Kanton Zürich, ab 1. März 2014 Intendant. Er inszenierte hier Nick Woods «Fluchtwege», Alan Ayckbourns «Frohe Feste», Ulrich Woelks «In der Nähe der grossen Stadt», das Jukebox-Musical «Beatles for Sale», Oscar Wildes «Bunbury», sowie Shakespeares «Was ihr wollt». In der letzten Saison führte er bei Jordi Galcerans «Karneval» und Dennis Kelly «Die Opferung von Gorge Mastromas » Regie. 2013 inszenierte er zudem «Kleiner König Kalle Wirsch» am Konzert Theater Bern.

Regie: Rüdiger Burbach

Bühne und Kostüme: Beate Fassnacht

Es spielen: Manuel Bürgin (Paul), Pit Arne Pietz (Michel) und Miriam Wagner (Alice/Laurence).

Premiere: 4. September 2014

Dauer: ca. 90 Minuten, keine Pause.

«Das Publikum ist in dieser temporeichen Aufführung 90 Minuten lang bestens unterhalten.» NZZ

«Zu verfolgen, wie der Lügner zum Belogenen wird… macht Spass.» Tages Anzeiger

«Pit Arne Pietz spielt diesen selbstgerechten, nicht allzu intelligenten  Macker-Typen mit vollem Körper- und Stimmeinsatz und bringt dessen Widersprüchlichkeit sehr deutlich und überaus witzig zum Ausdruck.» NZZ

Die Wahrheit abonnieren