Don Carlos

von Friedrich Schiller | Regie: Rüdiger Burbach

DOMINGO Die schönen Tage in Aranjuez sind nun zu Ende. Eure königliche Hoheit verlassen es nicht heiterer. Wir sind vergebens hier gewesen. Brechen Sie dies rätselhafte Schweigen. Öffnen Sie Ihr Herz dem Vaterherzen, Prinz. Dieser Kummer, den wir schon lange in Ihrem Blicke lesen, hat Seiner Majestät schon manche Nacht gekostet, schon manche Träne Ihrer Mutter.
CARLOS (dreht sich rasch um) Mutter? – O Himmel, gib, dass ich es dem vergesse, der sie zu meiner Mutter machte!
DOMINGO Prinz?
CARLOS (besinnt sich und fährt mit der Hand über die Stirne) Hochwürd'ger Herr – ich habe sehr viel Unglück mit meinen Müttern. Meine erste Handlung, als ich das Licht der Welt erblickte, war ein Muttermord. Und meine neue Mutter – hat sie mir nicht meines Vaters Liebe schon gekostet?

Don Carlos, der Kronprinz von Spanien, liebt Elisabeth von Valois. Sein Problem: Sie ist seine Stiefmutter. Seit sein Vater, König Philipp, sie aus machtpolitischen Gründen geheiratet hat, ist er gezwungen diese Liebe zu verheimlichen. Seinem einzigen Sohn verwehrt Philipp nicht nur den Zugang zur Macht, sondern versagt ihm auch jede Zuneigung. Nur seinem aus Flandern an den Hof zurückgekehrten Jugendfreund Marquis Posa, kann Don Carlos sich offenbaren. In einer von Posa arrangierten Unterredung zwischen Carlos und der jungen Königin weist Elisabeth ihn allerdings zurück und ermahnt den Prinzen, sich ebenfalls ganz in die Dienste der spanischen Krone zu stellen. Carlos’ Wunsch, das Kommando über die in die Niederlande entsandten spanischen Truppen zu bekommen, lehnt sein Vater barsch ab. Herzog von Alba wird an seiner statt in die Krisenregion geschickt. Don Carlos bleibt zurück und verstrickt sich zwischen Schwärmerei und Strategie immer mehr in die Intrigen und Machtkämpfe des Hofes, der einem Überwachungsstaat gleicht. Posa seinerseits, der die Schrecken der Kriege mit angesehen hat, kämpft für einen Weg der Toleranz, und es gelingt ihm für Momente, das erstarrte Machtgefüge in Bewegung zu bringen. Doch die zerstörerischen Kräfte schlafen nicht. Im gnadenlosen Kampf um den Machterhalt geraten alle Beteiligten in einen Strudel von Verrat und Gewalt. Mit «Don Carlos» schrieb Schiller eines der grössten Dramen der deutschen Literaturgeschichte. Es ist berührende Familientragödie, sprachmächtiges Liebesdrama und spannender Politthriller zugleich: Ein «Game of thrones» des Theaters. Ein Klassiker, der Fragen aufwirft, die in unserer heutigen Zeit wieder besonders aktuell sind: Kann ich als junger Mensch den Erfolg der Elterngeneration noch übertreffen? Will ich das überhaupt – und wenn ja, wie? Wie finde ich meinen Platz im Leben? Wie kann ich mich in die Gesellschaft einbringen, wie politisch aktiv sein? Kann die Politik überhaupt noch etwas bewegen? Was lässt sich noch aktiv gestalten? Wie viel Spielraum lassen wirtschaftliche Interessen und religiöse Dogmen den Regierenden überhaupt noch? Und wie frei und selbstbestimmt kann der Einzelne in Anbetracht eines entpersönlichten Machtapparates leben?

Friedrich Schiller, geboren 1759 in Marbach. Sohn des Militärwundarztes J. C. Schiller. Kindheit und Jugend in ärmlichen Verhältnissen. Dorfschule, Lateinschule, auf Befehl des Herzogs Karl Eugen 1773 Eintritt in die Karlsschule Stuttgart, dort Medizinstudium ab 1776. 1780 Regimentsmedicus in Stuttgart. Arrest und Schreibverbot wegen Aufführung der «Räuber» in Mannheim. Flucht über Mannheim (1783), Leipzig (1785), Dresden nach Weimar (1787). 1789 Ernennung zum Professor der Geschichte und Philosophie in Jena. 1799 erneute Übersiedelung nach Weimar. Enge Freundschaft mit Johann Wolfgang Goethe. Tod am 9. Mai 1805 in Weimar. Werke (u. a.) «Die Räuber» (1781), «Kabale und Liebe» (1784), «Don Carlos» (1787), «Wallenstein» (1800), «Die Jungfrau von Orleans» (1801), «Maria Stuart» (1801), «Die Braut von Messina» (1803), «Wilhelm Tell» (1804).

Rüdiger Burbach, geboren 1966, lebt seit 1993 in Zürich. Theaterstationen: (u. a.) Theater Basel, Baracke des Deutschen Theaters Berlin, Schiller-Theater Berlin, Konzert Theater Bern, Schauspiel Bonn, Schauspiel Essen, Schauspiel Frankfurt,Ernst Deutsch Theater Hamburg, Luzerner Theater, Staatstheater Mainz, Staatstheater Meiningen, Staatstheater Stuttgart, Schauspielhaus Zürich. Von 2010–2014 ist er der Künstlerische Leiter des Theater Kanton Zürich, seit 2014 Intendant. Erinszenierte hier die Schweizer Erstaufführung von Nick Woods «Fluchtwege», Alan Ayckbourns «Frohe Feste», die Uraufführung von Ulrich Woelks «In der Nähe der grossen Stadt», die Jukebox-Musicals «Beatles for Sale» und «Falling in Love»,Oscar Wildes «Bunbury», sowie Shakespeares «Was ihr wollt», Jordi Galcerans «Karneval», Dennis Kellys «Die Opferung von Gorge Mastromas», Florian Zellers «Die Wahrheit», Mozarts «Der Schauspieldirektor» und «Max Frisch: HOMO FABER».

Regie: Rüdiger Burbach
Bühne und Kostüme: Beate Fassnacht
Musik: Joel Schoch
Mit: Nicolas Batthyany, Katharina von Bock, Michael von Burg, Daniel Hajdu, Peter JecklinStefan Lahr, Andreas Storm, Miriam Wagner / Margit Maria Bauer

Premiere: 22. Oktober 2016
Aufführungsdauer:
ca. 2 1/2 Stunden. Pause nach dem 3. Akt.
  

«Ein stimmiger Abend.» Tages-Anzeiger

«Denn in der Hauptsache beweist einmal mehr das gesamte Ensemble des Theaters Kanton Zürich, wie herausragend es harmoniert und wie geglückt es besetzt ist sodass mühelos jeder erdenkliche Stoff in allen Fallhöhen grösster Tragik wie Komik dermassen plausibel wie gleichwohl trefflich umgesetzt werden kann, dass er zu einer Freude für die Betrachtenden wird.» P.S.

 

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