Grüezi Kabul

Volksstück von Jörg Graser | Regie: Deborah Epstein

D’Süttiger: Gahts eigetli na? Wiä laufsch überhaupt umenand? 
D'Jasmin: Das muemer so. 
D’Süttiger: Spillsch imene Türkewitz mit? 
D'Jasmin: Ich bi dänk e Muslima, jetzt  häsch es. 
D’Süttiger: Das gits ja nöd! Ich ha gmeint wellisch is Militär? 
D'Jasmin: Jetz nümme. Ich han zu Allah gefunde. 
 

Die Wirtstochter vom «Goldenen Hahn» hat sich in einen strenggläubigen Ägypter verguckt. Aber Araber sind, wie die Wirtin sagt, nichts anderes als «ungebremste Männer». Die Vorschriften, die der Koran in punkto Frauen parat hat, dass sie gehorsam, treu und verschwiegen sein sollen, leuchten dem Vater sofort ein. Als er entsprechende Massnahmen ergreift, kommt es allerdings zum Ehekrach und zur Scheidung. Er bricht nach Kabul auf und macht dort ein Wirtshaus auf, in dem sich die Kfor-Truppen allabendlich ein Kampfsaufen liefern. Endlich kann er sich seinen Traum von der Vielweiberei verwirklichen. Zur Hochzeit seines Sohnes bringt er seine drei afghanischen Ehefrauen in die Heimat mit, doch seine Ehefrau sinnt auf Rache. Es wird eine turbulente Feier, bei der die Wirtin gründlich mit ihm, dem ägyptischen Unruhestifter und dem Islam insgesamt abrechnet: «Wenn du hier einer sein willst, dann musst du auch die entsprechenden Leberwerte aufweisen. Wir haben hier eine Leitkultur, gegen die ist sogar die Kirche machtlos.»

Die Regisseurin Deborah Epstein, die zuletzt sehr erfolgreich Dürrenmatts «Der Richter und sein Henker» am Theater Kanton Zürich inszenierte, wird in ihrer Fassung das Stück auf Schweizer Verhältnisse übertragen und in Mundart übersetzen.

Jörg Graser, geboren 1951, studierte Politologie und ist Absolvent der Münchner Filmhochschule. Er lebt als Regisseur und Autor in München und Rinchnach. Jörg Graser hat zu zahlreichen Filmen das Drehbuch geschrieben und sie zum Teil selbst inszeniert. Ausgezeichnet wurden seine Filme unter anderem mit dem renommierten Grimmepreis, dem Bundesfilmpreis und dem Publikumspreis bei den Filmfestspielen in Cannes. Filme (Auswahl): «Trokadero», «Der Irrenwärter», «Der Mond ist nur a nackerte Kugel», «Via Mala» (Fernsehdreiteiler nach John Knittel) und «Abrahams Gold». Theaterstücke (Auswahl): «Witwenverbrennung», UA Düsseldorfer Schauspielhaus, Regie: Volker Hesse (1980); «Die Wende», UA Deutsches Schauspielhaus Hamburg, Regie: Max Färberböck (1987); «Die Blinden von Kilcrobally» UA Burgtheater Wien, Regie: Uwe-Eric Laufenberg (1998); «Servus Kabul», UA Bayerisches Staatsschauspiel München, Regie: Franz Xaver Kroetz (2006).

Deborah Epstein absolvierte ihre Ausbildung zur Schauspielerin an der Schauspiel-Akademie in Zürich. Engagements an Theatern in Zürich, Basel, Dortmund, St. Gallen und München. Zusammenarbeit mit Regisseuren wie Frank Castorf, Christoph Marthaler, Stephan Müller, Barbara Frey, Jossi Wieler, Uwe Eric Laufenberg, Werner Düggelin, Andreas Kriegenburg. Seit 1992 führt sie Regie, zunächst mit Marcus Mislin, seit 1998 im Alleingang. Regiearbeiten u.a. am Staatstheater Stuttgart, Theater Basel, Luzerner Theater, Schauspielhaus Graz, Schauspiel Leipzig, Saarländisches Staatstheater Saarbrücken, Maxim Gorki Theater Berlin, Staatstheater Mainz, Theater Freiburg, Theater Aachen, Mainfrankentheater Würzburg und am Theater Solothurn, wo sie vor kurzem die sehr beachtete Schweizer Erstaufführung von Jonas Hassen Khemiris «Fünf mal Gott» herausbrachte. Bis 2010 war Deborah Epstein Lehrbeauftragte für Schauspiel an der Universität Mozarteum Salzburg.

Regie: Deborah Epstein

Bühne und Kostüme: Florian Barth

Es spielen: Vera Bommer (Jasmin) André Frei (Heinz Süttiger) Suly Röthlisberger (Trudi Süttiger) Andreas Storm (Jussuf Mummadir) Brencis Udris (Matthias) und Nadia Odermatt, Christina Spaar, Fulya Bozaci (Drei Frauen unter der Burka)

Premiere: 9. Oktober 2011

Spieldauer: ca. 90 Minuten. Keine Pause.

«Bitter-böses Volkstheater: schrill, derb und politisch höchst unkorrekt.» Der Landbote

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