Holzers Peepshow

von Markus Köbeli

Hans junior
Bauern? 
Mit einer einzigen Kuh im Stall?

 

Hans
Was kann ich dafür, wenn sich die Landwirtschaft nicht mehr rentiert da oben? Beim Grossvater, da ging’s gerade noch. Waren auch andere Zeiten damals.

 

Hans junior
Du musst dich eben anpassen, der neuen Zeit.

 

Hans
So? Muss ich das?

Bei der Bauernfamilie Holzer herrscht die blanke Not. Die Landwirtschaft rentiert sich nicht mehr. Auch Nebenverdienste sind rar geworden und der Skilift, der das Einkommen im Winter sicherte, wird automatisiert. Zudem liegt ihr Hof abseits zwischen Tal- und Bergstation. Die Bustouristen legen auf dem nahegelegenen Parkplatz im besten Falle eine kurze «Pinkelpause» ein und hinterlassen Berge von Abfall. Wie könnten Holzers vom Tourismus profitieren? Die Familie – Vater, Mutter und zwei erwachsene Kinder – kommt auf eine Geschäftsidee. Mit einer raffinierten «Peepshow» wollen sie den Touristen das Geld aus der Tasche ziehen. Wer Geld einwirft, bekommt eine urchige Bauernstube und eine idyllische Familienszene geboten. Selbst der alte Grossvater wird in diese «Aufführung» einbezogen. Zu ihrem eigenen Erstaunen haben sie damit Erfolg und die Kasse füllt sich Tag für Tag immer mehr. Indem sie sich dem Publikumsgeschmack anpassen, entblössen sie sich selbst und alte Wunden werden aufgebrochen. Denn das Geld verändert den geordneten Familienalltag der Holzers und bald ist bei ihnen nichts mehr, wie es war.

Lange vor Reality-TV und Swissness schrieb Markus Köbeli 1989 ein liebenswertes Stück über die Ambivalenz zwischen Marketing, Identität und Heimat des Tourismuslandes Schweiz. Seine Farce bringt das Publikum bei allem Ernst mit sprühendem Witz und sarkastischem Humor zum Lachen.

Markus Köbeli, geboren 1956 in Bern, studierte Germanistik, Geschichte, Ethnologie, Philosophie und Journalistik an der Universität Bern. Ab 1982 veröffentlichte er kabarettistische Hörspiele sowie Beiträge für die Schweizer- Radio-DRS-Sendungen «Schreckmümpfeli», «Zweierleier» und «Faktenordner». Er verfasste Texte für Satiresendungen des Schweizer Fernsehens wie z. B. «Viktors Spätprogramm». Er ist der Koautor von Viktor Giacobbos Rollen «Harry Hasler» und «Fredi Hinz». Köbeli schrieb zahlreiche Texte für seine damalige Lebenspartnerin Birgit Steinegger, bei deren Comedy-Show «Total Birgit» er als Regisseur mitwirkte. «Holzers Peepshow» wurde 1989 durch das Berner Ensemble am Festival «Auawirleben» uraufgeführt. In mehrere Sprachen übersetzt, wurde es auf zahlreichen schweizerischen und europäischen Bühnen gespielt.

Regie: Rüdiger Burbach
Bühne und Kostüme: Beate Fassnacht
Mit: Katharina von Bock, Michael von Burg, Stefan Lahr, Pit Arne Pietz, Anja Rüegg
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