Kleider machen  Leute

Freilichttheater nach Gottfried Keller. Dramatisiert von Dagrun Hintze
«Vor dem ersten Gasthofe, zur Waage genannt, hielt das vornehme Fuhrwerk plötzlich, und alsogleich zog der Hausknecht so heftig an der Glocke, dass der Draht beinahe entzweiging. Da stürzten Wirt und Leute herunter und rissen den Schlag auf; Kinder und Nachbaren umringten schon den prächtigen Wagen, neugierig, welch ein Kern sich aus so unerhörter Schale enthülsen werde, und als der verdutzte Schneider endlich hervorsprang in seinem Mantel, blass und schön und schwermütig zur Erde blickend, schien er ihnen wenigstens ein geheimnis­voller Prinz oder Grafensohn zu sein.» 
Gottfried Kellers Novelle handelt vom Schneidergesellen Wenzel Strapinski, der sich trotz Armut gut kleidet. Er gelangt in eine fremde Stadt und wird dort wegen seines eleganten Äusseren für einen polnischen Grafen gehalten. Nachdem er aus Schüchternheit versäumt hat, die Verwechslung aufzuklären, versucht er zu fliehen. Doch da betritt die junge Tochter eines angesehenen Bürgers den Schauplatz. Die beiden verlieben sich ineinander, worauf Wenzel die ihm aufgedrängte Grafenrolle notgedrungen weiterspielt. Auf der Verlobungsfeier kommt es zum Skandal. Ein verschmähter Nebenbuhler sorgt dafür, dass der vermeintliche Hochstapler entlarvt wird. Wenzel flieht, seine Braut aber findet ihn, rettet ihn vor dem Erfrieren und stellt ihn zur Rede. Als sie sich davon überzeugt hat, dass seine Liebe echt ist, bekennt sie sich zu ihm und setzt die Heirat durch. Der Schneider gründet mit ihrem Vermögen ein Atelier und bringt es zu Wohlstand und Ansehen, womit sich das Sprichwort «Kleider machen Leute» bewahrheitet. Kellers Erzählung ist eine amüsante, mit Sozialkritik angereicherte Geschichte voller Irrungen und Wirrungen, die sich auch wunderbar für die Bühne eignet.
 
Am 19. Juli 2019 wäre Gottfried Keller 200 Jahre alt geworden. Er zählt zu den bedeutendsten Schweizer Schriftstellern überhaupt. «Kleider machen Leute» erschien erstmals 1874 im zweiten Band der Sammlung «Die Leute von Seldwyla». Sie gehört zu den bekanntesten Erzählungen der deutschsprachigen Literatur und diente als Vorlage für Filme und Opern und gilt zudem als Musterbeispiel für die Stilrichtung des poetischen Realismus.
 
Nach den erfolgreichen Inszenierungen von Jeremias Gotthelfs «Die schwarze Spinne» und William Shakespeares «Ein Sommernachtstraum» wird der Luzerner Regisseur Elias Perrig zum dritten Mal das Freilichtstück für das Theater Kanton Zürich erarbeiten.
 
Regie: Elias Perrig
Bühne: Beate Fassnacht
Kostüme: Charlotte Willi
Freilicht-Premiere: Mitte Mai 2019 in Glattfelden
 

Theaterpädagogik:
Im Zusammenhang mit einem Vorstellungsbesuch wird zu diesem Stück ein vorbereitender kostenloser Workshop angeboten (3 Lektionen). Die Schülerinnen und Schüler setzen sich spielerisch mit Inhalten der Novelle von Gottfried Keller auseinander. Sie schlüpfen in Figuren und Situationen der Geschichte und erhalten dabei Einblick in die Theaterproduktion des Theater Kanton Zürich. Dieser Workshop entstand in Zusammenarbeit mit der Koordinationsstelle Theaterpädagogik Winterthur und Schule & Kultur des Kantons Zürich.

Informationen erhalten Sie bei der Verantwortlichen für Theater und Schule, Theaterpädagogin Rebekka Spinnler, 052 232 90 42, r.spinnler@tkz.ch

 

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