Wir alle für immer zusammen

von Guus Kuijer | Regie: Klaus Hemmerle | Schweizer Erstaufführung | Koproduktion mit dem Theater Winterthur

Deutsch von Sylke Hachmeister | Dramatisierung von Philippe Besson und Andreas Steudtner

Polleke: Mein Lehrer ist in meine Mutter verliebt! Mein Lehrer ist in meine Mutter verliebt! Kann man sich was Schrecklicheres vorstellen? NEIN! Na ja, mein Vater und meine Mutter sind schon lange geschieden. Verboten ist es also nicht direkt. Meine Mutter ist eine liebe Mama. Mein Lehrer ist ein netter Lehrer: Aber die beiden zusammen? Das ist ja wohl abartig. 

Ein ganz normaler Schultag wirft das Leben der 11-jährigen Polleke aus der Bahn. Auf die Frage ihres Lehrers, was sie werden will, antwortet Polleke «Dichterin», wie ihr Vater, auch wenn der keine Gedichte schreibt und nur wie ein Dichter aussieht. Daraufhin macht ihr Freund Mimun mit ihr Schluss, weil es in seiner Kultur nicht erlaubt ist, dass Frauen Dichter werden. Wütend schreibt sie ihm: «Deine Scheisskultur kannst du dir sonstwohin stecken!», was aber nicht Mimun, sondern der Lehrer in die Hände bekommt. Statt des geplanten Berufsprojekts will dieser nun ein Antirassismusprogramm starten.

Pollekes Mutter ist ausser sich: Polleke ist doch keine Rassistin! Sie verlangt, dass das Projekt gestoppt wird, aber genau in dem Moment muss sich der Lehrer in Pollekes Mutter verlieben. Erwachsene können so peinlich sein. Von nun an ist nichts mehr, wie es war. Der Lehrer heisst jetzt Walter und begegnet Polleke nachts im Hausflur. Mimuns Mutter erklärt ihr, dass Mimun ein marokkanisches Mädchen heiraten soll, und Pollekes Vater ist im Gefängnis gelandet, weil er Hasch nicht nur konsumiert, sondern auch verkauft hat.Wer ist hier eigentlich erwachsen? Und warum machen Kühe glücklich, wenn alles andere aus dem Lot geraten ist? Polleke gibt ihr Bestes, die Erwachsenen wieder zur Vernunft zu bringen.

Guus Kuijer ist einer der bekanntesten niederländischen Jugendschriftsteller; er hat mit Polleke eine Figur geschaffen, die das Zeug hat, eine Berühmtheit der Kinderliteratur zu werden, vergleichbar mit Alice, Dorothy oder Pippi Langstrumpf. Polleke hat all jene Dinge zu bewältigen, die den heutigen Alltag eines Kindes ausmachen: Schule, Auseinandersetzungen mit Freundinnen, erste Liebe, Konflikte auf dem Schulweg, mit der Mutter und immer wieder die Begegnungen mit dem suchtkranken Vater. Kinder sind hier genauso Menschen wie alle anderen – nur ein bisschen jünger. Das Buch «Wir alle für immer zusammen» wurde 2001 mit dem Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. «Leicht, garantiert belehrungsfrei, witzig und dennoch nachdenklich», lobte seinerzeit «Die Welt».

Der Regisseur Klaus Hemmerle, ausgebildet an der Zürcher Schauspiel-Akademie, war nach Engagements am Schauspielhaus Zürich und dem Heidelberger Theater jahrelang Protagonist unter der Intendanz von Friedrich Schirmer am Stuttgarter Staatstheater. Seit den neunziger Jahren arbeitet er vermehrt als Regisseur an Bühnen wie dem Staatstheater Stuttgart, Staatstheater Karlsruhe, Theater Giessen oder dem Theater Lübeck. Er hat ein besonderes Faible für Musiktheater und inszeniert auch regelmäßig für Kinder und Jugendliche. Seine Inszenierung «Nach Schwaben, Kinder!» am Jungen Ensemble Stuttgart wurde zum Kinder- und Jugendtheatertreffen 2011 nach Berlin eingeladen.

Regie: Klaus Hemmerle

Bühne und Kostüme: Johanna Maria Burkhart

Es spielen: Gerrit Frers (Mimun/Spiek/Lehrer Walter/Oma/Mimuns Mutter/ Gefängnispförtner) Silke Geertz (Caro/Tina/Opa/Gamesh/Sina/Diana) und Julia Sewing als Polleke

Premiere: 24. September 2011 im Foyer des Theater Winterthur

Für Kinder ab 10 Jahren und für Erwachsene.

Spieldauer: ca. 75 Minuten. Keine Pause.

«Julia Sewing ist diese Polleke, und sie ist ein Ereignis: Manchmal ist sie ein bisschen ungestüm zu den Sachen, die um sie sind, dann wieder sehr zärtlich. Sie kann alle Aggregatszustände einer jungen Frau annehmen, von unbekümmert bis traurig. Es ist ein Glück, eine solche Polleke auf der Bühne zu sehen.» Der Landbote

«Witzig und leicht, lebensklug und tief ist diese Aufführung, und alle Polleke-Fans werden sie nun noch enger ins Herz schliessen.» Tages-Anzeiger

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