Zwingli Roadshow

von Brigitte und Niklaus Helbling. Uraufführung

«In den Dörfern wurde die Schrift anders gelesen als in der Stadt, Herrscher zogen aus dem Wort Gottes andere Konsequenzen als Beherrschte, Mächtige hörten die Predigten anders als Ohnmächtige.» Hans-Jürgen Goertz

Deutschland feiert den Reformator Martin Luther, Zürich die Reformation selbst: Huldrych Zwingli steht in Zürich für einen gewaltigen Aufbruch im Glauben und Denken – und er steht für eine Stadt, die in der Abkehr vom päpstlichen Einfluss eigene Interessen stärken wollte. Pfarrer, die Zwinglis Feuer in die Landschaft trugen, entfernten sich zunehmend vom pragmatischen Standpunkt ihres Meisters. Wo in der Heiligen Schrift steht, dass einer dem andern leibeigen sein solle? Wozu weiter den Zehnten zahlen, wenn Klöster und Bischöfe sich nur daran bereichern? Das waren Fragen, die von Uster bis Witikon, Meilen bis Knonau, Grüningen, Richterswil und Zollikon die Gemeinden bewegten; Fragen von Glaube und sozialer Gerechtigkeit. In den Antworten war man sich auch in den Dörfern nicht einig. Doch aus solchen Debatten gingen einige der radikalsten Akteure der Reformation hervor.

Die «Zwingli Roadshow» durchstreift in einer fantastischen Mischung aus Alltags-Bilderbogen, Mysterienspiel und öffentlicher Debatte das hoch emotionale Wirken der Reformation in der Zürcher Landschaft. Zwingli ist gerade in Kappel gefallen. Die Näherin Dorette aus Zürich hat eine Geschäftsidee. Mit einem versprengten Trupp von Aussenseitern beschliesst sie, dem Meister ein Denkmal in lebenden Bildern zu setzen und damit über die Dörfer zu fahren. Mit von der Partie sind eine entlaufene Nonne, ein abgefallener Priester, ein junges Liebespaar, dem der Landesherr die Heirat untersagt, und Jakob der Täufer, der in Zürich geköpft werden soll, weil er von seinem Glaubensbekenntnis nicht abrücken will. Als aber die Jungfrau Maria unerwartet auf der Bühne erscheint und der Geist des toten Zwingli in die Näherin fährt, Nachtbuben und ihre Mädchen mit Trommeln und Pfeifen ein Kloster belagern und ein hölzerner Jesus samt Esel im See schwimmt, öffnet sich der Raum einer neuerlichen Debatte, die an die Disputationen der Reformationsjahre anschliesst. Damals schon war nicht jede Frage gleichermassen erwünscht. Und wie sieht das heute aus?

«Zwingli Roadshow» ist ein turbulenter Rundgang durch eine politisch und religiös aufgeladene Zeit, deren Themen gerade auch ein jugendliches Publikum ansprechen werden. 

Gefördert und im Rahmen von ZH-REFORMATION.CH

Im Kontext der internationalen Reforma­tions­feierlichkeiten haben Kanton und Stadt Zürich, die Evangelisch-reformierte Landeskirche, der Reformierte Stadtverband Zürich und Zürich Tourismus den Verein «500 Jahre Zürcher Reformation» ins Leben gerufen. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht die Aktualität der Reformation – ihre spürbaren Nachwirkungen und gesellschaftlichen Prägungen im heutigen Zürich. Barbara Weber und Martin Heller wurden mit der inhaltlich-kuratorischen Gesamtleitung beauftragt; kritisch und neugierig entwickeln sie ein facettenreiches Langzeit-Festival für Stadt und Kanton – von Mitte 2017 bis Anfang 2019. Weitere Informationen unter 

www.zh-reformation.ch

Brigitte Helbling, geboren 1960 in Basel, aufgewachsen in New Jersey und in Zürich. Studium der Germanistik, Anglistik, Informatik in Zürich, Dissertation in Hamburg. Übersetzungen/Lektorate u. a. für Rogner & Bernhard Verlag, Extrem Erfolgreich Enterprises, Rowohlt Verlage. CULTURMAG-Mitarbeiterin seit Gründung des Portals. Seit 2000 Autorin von über 22 Stücktexten für das Theaterkollektiv Mass & Fieber/Mass & Fieber OST und weitere Produktions­stätten (Staatstheater Mainz, Theater Basel, Schauspiel Dresden). 2017 nominiert für den Gilder/Coigney Award der League of Professional Theatre Women (New York). Romane: «Queer Story» (2013), «Die Mädchen» (2015).
 
Niklaus Helbling, geboren 1959 in Zürich, ist seit 1999 als Regisseur tätig. Neben Inszenierungen von Shakespeare, Molière, Corneille, Racine, Lessing, Goethe, Schiller, Kleist, Büchner, Ibsen und Brecht entstanden Prosa-Adaptionen in eigener Regie, u. a. «Auguste Bolte» von Kurt Schwitters am Nationaltheater Mannheim und «Der Meister und Margarita» 
für das Burgtheater Wien. Seit 2009 auch Musik­theater: u. a. «Nachtwache» (Lamento-Abend), «Zauberflöte» (Mozart) 2011, «Otello» (Verdi) 2013 am Staats­theater Oldenburg. Niklaus Helbling ist Regisseur der Schweizer Gruppe Mass & Fieber und ihrer Deutschen Zweigstelle Mass & Fieber OST. Seit der Spielzeit 2014/15 ist er Hausregisseur am Staatstheater Mainz. 
 
Regie: Niklaus Helbling
Bühne und Video: Elke Auer
Kostüme: Sara Giancane
Musik: Markus Schönholzer
Text: Brigitte Helbling
Es spielen: Michael von Burg, Fabienne Hadorn, Aaron Hitz, Sebastian Krähenbühl, Nadja Rui, Mareike Sedl
Premiere: 13. September 2018
 
Gefördert und im Rahmen von:
ZH-REFORMATION.CH
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