Der Richter und sein Henker

von Friedrich Dürrenmatt | Regie: Deborah Epstein | Uraufführung

«Da haben Sie mich und Gastmann aufeinander gehetzt wie Tiere!» «Bestie gegen Bestie», kam es unerbittlich vom anderen Lehnstuhl her. «Dann waren Sie der Richter, und ich der Henker», keuchte der andere. «Es ist so», antwortete der Alte.

Zentrale Figur des erfolgreichsten Kriminalromans von Friedrich Dürrenmatt ist der kranke Kommissar Bärlach, der vor vielen Jahren eine Wette mit dem Verbrecher Gastmann abschloss. Während Bärlach meinte, dass »die menschliche Unvollkommenheit, die Tatsache, dass wir die Handlungsweise anderer nie mit Sicherheit voraussagen können, und dass ferner der Zufall, der in alles hineinspielt, der Grund sei, der die meisten Verbrechen zwangsläufig zu Tage fördern müsse«, erkannte Gastmann gerade darin die Möglichkeit, ein nicht aufzuklärendes Verbrechen zu begehen. Vor den Augen Bärlachs stiess er einen Unbeteiligten von einer Brücke. Die Polizei ging von Selbstmord aus. Gastmann wurde trotz der Hinweise des Kommissars nicht zur Rechenschaft gezogen und machte eine grosse Gangster-Karriere. Nun sieht Bärlach endlich die Chance, Gastmann nach all den Jahren der vergeblichen Jagd zu überführen. Ein Kollege des Komissars wird in der Nähe des Dorfes Twann ermordet. Der Kommissar meint den Mörder zu kennen, lenkt den Verdacht aber geschickt auf Gastmann. In einem verwirrenden wie raffinierten Spiel lässt Bärlach den eigentlichen Täter zum Henker werden.

«Der Richter und sein Henker» ist einer der berühmtesten Kriminalromane der Literaturgeschichte. Mit ihm etablierte Dürrenmatt, beeinflusst von Friedrich Glausers Wachtmeister Studer, den Typ des älteren, bedächtigen und souverän coolen Ermittlers. Der Roman wurde in unzählige Sprachen übersetzt und hat mittlerweile eine Auflage von über 5 Millionen Exemplaren erreicht. Eine erste filmische Adaption wurde 1957 im deutschen Fernsehen ausgestrahlt. 1975 verfilmte Maximilian Schell den Stoff in Starbesetzung mit Jon Voight, Martin Ritt, Jacqueline Bisset und Donald Sutherland. Dürrenmatt schrieb am Drehbuch mit und ist in einer Nebenrolle als Schriftsteller zu sehen. Franz Hummel komponierte eine Oper nach dem Roman, die 2008 an der Erfurter Oper uraufgeführt wurde.

Deborah Epstein wurde 1955 geboren. Ausbildung zur Schauspielerin an der Schauspiel Akademie in Zürich. Engagements an Theatern in Zürich, Basel, Dortmund, St. Gallen und München. Zusammenarbeit dort mit Regisseuren wie Frank Castorf, Christoph Marthaler, Stephan Müller, Barbara Frey, Jossi Wieler, Uwe Eric Laufenberg, Werner Düggelin, Andreas Kriegenburg. Seit 1992 auch Regisseurin, zunächst mit Marcus Mislin, seit 2001 inszeniert sie auch alleine. Regiearbeiten am Staatstheater Stuttgart, Theater Basel, Luzerner Theater, Schauspielhaus Graz, Schauspiel Leipzig, Saarländisches Staatstheater Saarbrücken, Maxim Gorki Theater Berlin, Staatstheater Mainz, Theater Freiburg, Theater Biel/Solothurn und am Theater Aachen, wo sie zuletzt «Gefährliche Liebschaften» und «Die Dreigroschenoper» inszenierte. Zurzeit hat Deborah Epstein auch eine Gastprofessur für Schauspiel am Mozarteum in Salzburg.

Regie und Dramatisierung: Deborah Epstein

Bühne und Kostüme: Florian Barth

Es spielen: Vera Bommer (Sekretärin/Frau Schönler/Anna Wildbolz) André Frei (Gastmann/Clernin/von Schwendi) Stefan Lahr (Kommissär Bärlach) Andreas Storm (Lucius Lutz/Charnel/Schriftsteller) Brencis Udris (Walter Tschanz)

Premiere: 16. September 2010

Aufführungsdauer: ca. 2 Stunden, eine Pause.

«Ein traumhaftes Spiel.» Der Landbote

«Selbst gruslige Szenen des Romans büssen in dieser Inszenierung nichts von ihrer Unheimlichkeit ein.» Neue Zürcher Zeitung

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