Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie

Komödie in fünf Akten von Max Frisch | Regie: Manuel Bürgin

Don Gonzalo: Tod dem Verführer! 
Donna Elvira: Halt! Seid ihr von Sinnen? Ich bitte um Verstand. Pater Diego, warum sagen Sie kein Wort? 
Pater Diego: Ich - 
Don Juan: Was soll der Pater schon sagen? Er versteht mich am allerbesten. Warum hat er denn nicht geheiratet? 
Pater Diego: Ich? 
Don Juan: Zum Beispiel Donna Elvira? 
Pater Diego: Bei Gott - 
Don Juan: Er nennt es Gott, ich nenne es Geometrie; jeder Mann hat etwas Höheres als das Weib, wenn er wieder nüchtern ist.

Single sein oder Nichtsein: Der junge Edelmann Don Juan soll Donna Anna heiraten, die Tochter des Komturs von Sevilla. Dies als Lohn für seine Heldentat, die feindlichen Mauern von Cordoba unerkannt vermessen zu haben. Doch Don Juan macht sich nichts aus Frauen. Seine Geliebte, so sagt er dem Vater ins Gesicht, sei die Geometrie. Aber: In der Nacht vor der geplanten Hochzeit landet er in den Armen eines unbekannten Mädchens und für ihn steht fest: dies ist die Frau seines Lebens, sie will er entführen und mit ihr fliehen. Doch dazu kommt es nicht. Am nächsten Tag verweigert er – zur Verblüffung aller – Donna Anna das Ja-Wort. Und das, obwohl er sie als diejenige erkennt, mit der er die Nacht zuvor verbracht hat. Der Komtur sieht seine Tochter entehrt, zieht den Degen, lässt die Hunde los und beginnt eine Hetzjagd auf den «Verbrecher». Juan flüchtet sich zu den Frauen: nacheinander ziehen ihn die Frau des Komturs und die Verlobte seines besten Freundes Roderigo in ihre jeweiligen Schlafgemächer. Im dritten Akt kommt es zum Showdown: Don Juan ist gezwungen den betrogenen Komtur zu töten, sein Vater stirbt vor Kummer, der Freund stürzt sich in sein Schwert und Donna Anna geht ins Wasser …

Max Frisch stellt mit seiner Parodie aus dem Jahr 1952 den Don-Juan-Mythos auf den Kopf. Er zeigt einen grüblerischen Intellektuellen, «wenn auch von gutem Wuchs und ohne alles Brillenhafte» (Frisch), der die Wahrheit und Klarheit in geometrischen Formen sucht. Frischs Komödie ist ein mitreissendes Stück voll absurder Situations- und Dialogkomik, eine wirkungsvolle Satire auf den klassischen Latin Lover. Da wird gefochten, geliebt, gemordet, gejagt und gesungen. Ein Freilichtspektakel, das seine Premiere an keinem passenderen Ort feiern könnte als in der von Max Frisch gebauten Badi Letzigraben. In der Nacht vor dessen 100. Geburtstag gratulieren wir diesem grossen Schweizer Autor mit der Aufführung seiner einzigen Komödie.

Manuel Bürgin, geboren 1975 in Reigoldswil, studierte von 1997 bis 2000 Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater in Zürich. 2000 erhielt er den Förderpreis der Armin Ziegler Stiftung. Bis 2005 arbeitete er am Schauspielhaus Bochum, unter anderem mit Jürgen Gosch, Niklaus Helbling und Karin Henkel. Seit 2005 ist er als freischaffender Schauspieler, Autor und Regisseur in der Schweiz tätig und arbeitete u.a. am Theater an der Winkelwiese, Theater Basel und am Théâtre Vidy Lausanne mit Stephan Roppel, Antje Thoms und Gian Manuel Rau. 2008 gründete er zusammen mit Kathrine von Hellermann und Sandro Corbat die Gruppe FAX AN MAX und realisierte im Februar 2009 seine erste Regiearbeit «Kim Jong Il – Der ewige Sohn» in der Kaserne Basel. Darauf folgten Gastspiele in Zürich, Bern und am Festival «Premières» in Strassburg. Im Februar 2010 inszenierte er Gaël Roths Stück «Peter der Zweite», das am Theater an der Winkelwiese, im Schlachthaus Theater Bern und im Theater Roxy Birsfelden zu sehen war. Ausserdem war er 2009 in «chirp» von Cornelia Lüthi (halsundbeinbruch) im Tanzhaus Zürich und in «Country Music» am Theater an der Winkelwiese zu sehen. Im März 2011 hatte in der Kaserne Basel die nächste Arbeit von FAX AN MAX, «Fortschritt», ein Projekt nach Louis-Ferdinand Céline, Premiere.

Regie: Manuel Bürgin

Bühne und Kostüme: Kathrine von Hellermann

Musik: Sandro Corbat

Es spielen: Vera Bommer (Miranda) Sandro Corbat (Musikant/Drei fechtende Vettern) Gerrit Frers (Don Roderigo/Leporello) André Frei (Tenorio) Stefan Lahr (Don Gonzalo/Don Balthasar Lopez) Anna-Katharina Müller (Donna Anna) Andreas Storm (Pater Diego) Cathrin Störmer (Donna Elvira)  Brencis Udris (Don Juan)

Premiere: 15. Mai 2011 (Freilichtpremiere am 17. Mai 2011 im von Max Frisch entworfenen Letzibad in Zürich.)

Aufführungsdauer: ca. 2 Stunden. Eine Pause.

«Der junge Regisseur Manuel Bürgin hat Frischs spanische Männerfantasie fürs authentische Outdoor-Erlebnis ganz unzimperlich auf einen knallbunten Campingplatz verfrachtet und ihn als recht deftiges Volkstheater mit melancholischen Zwischentönen flottgemacht.» Tages- Anzeiger

«Fazit: Dem Regisseur gelingt ein erfrischender Max Frisch, und fürs Publikum bietet sich eine gute Gelegenheit, sein Jubiläum zu begehen.» Neue Zürcher Zeitung

 

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