Fluchtwege

von Nick Wood | Regie: Rüdiger Burbach | Schweizer Erstaufführung

Deutsch von Constanze Hagelberg

«Wen sollen wir diese Woche hassen? Wer ist anders? Es kostet zuviel Energie, Menschen zu hassen. Und wofür?»

Fremd in der Schweiz: Riva und ihr Bruder Andrea sind als Flüchtlinge in die Schweiz gekommen. Sowohl ihr Onkel als auch ihr Vater wurden Opfer des totalitären Regimes, vor dem sie mit ihrer Mutter geflohen sind. Doch nach ihrer Ankunft in dem neuen Land hören die Probleme und Diskriminierungen nicht auf. Rückblickend erzählen die beiden, wie sie gelernt haben mit der Trauer um ihren Vater umzugehen, eine neue Sprache zu sprechen und neue Freunde zu finden, ohne sich selbst aufzugeben. So stehen sie nun wieder vor einem Neuanfang, dem sie mutig, neugierig und ein bisschen ängstlich entgegensehen können.

Auf einfühlsame Art und Weise erzählt der britische Autor Nick Wood in «Fluchtwege» von den Umständen der Vertreibung und dem Trauma der Flucht. Es geht um die Auflösung von Heimat, um das Nichtdazugehören in einer fremden Gesellschaft, die Schwierigkeiten, sich auf eine neue Umgebung einzulassen und die Vorbehalte, die einem dabei entgegengebracht werden; aber auch um die kleinen hoffnungsvollen Neuanfänge. Das temporeiche Stück richtet sich sowohl an Jugendliche als auch an Erwachsene und nutzt den Wechsel von Darstellung im Spiel und Erzählung sehr geschickt und ermöglicht den beiden Schauspielern in fliessenden Übergängen den Wechsel in zahlreiche Rollen.

Rüdiger Burbach wurde 1966 in Hanau geboren und lebt seit 1993 in Zürich. Er studierte in Berlin Literatur- und Theaterwissenschaft und war anschliessend Regieassistent am Schillertheater. Von 1993 bis 1995 war Burbach als Dramaturg am Zürcher Schauspielhaus engagiert; es folgten Gastdramaturgien am Theater Basel, am Staatstheater Stuttgart und am Schauspielhaus Zürich. Dort gab er 1995 auch sein Regiedebüt mit Werner Schwabs «Der reizende Reigen», der wegen eines Aufführungsverbots durch die Erben Arthur Schnitzlers erst ein Jahr später uraufgeführt werden konnte. Seitdem inszeniert Burbach überwiegend zeitgenössische Dramatik, u.a. am Schauspiel Essen, Staatstheater Mainz, an der Baracke des Deutschen Theaters in Berlin und am Schauspiel Bonn. In der Spielzeit 1999/2000 brachte er am Schauspielhaus Zürich unter dem Titel «Blutspuren» die gesamten Shakespeareschen Königsdramen auf die Bühne. Rüdiger Burbach ist auch als Konzertregisseur und Übersetzer aus dem Schweizerdeutschen tätig und hat in verschiedenen Hörspielproduktionen Regie geführt. Ab der Spielzeit 2010/11 übernimmt er die künstlerische Leitung des Theater Kanton Zürich.

Regie: Rüdiger Burbach

Bühne und Kostüme: Beate Fassnacht

Es spielen: Vera Bommer (Riva) Brencis Udris (Andrea)

Premiere: 2. Oktober 2010

Für Jugendliche ab 12 Jahren

Dauer: ca. 1 Stunde 10 Minuten, keine Pause

«Eindrücklich gelingt es der Inszenierung, den Bruch im Leben der beiden Jugendlichen erfahrbar zu machen, nicht zuletzt dank der grossartigen schauspielerischen Leistung der Darsteller Vera Bommer und Brencis Udris.» Zürcher Landzeitung

«Angesichts der Integrationsdebatten ist die Inszenierung hochaktuell. Sie ist gespickt mit witzigen Wortspielen und schönen Regieeinfällen.» Tages-Anzeiger

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